GUSTAVE CAILLEBOTTE

GUSTAVE CAILLEBOTTE IMPRESSIONIST UND DIE FOTOGRAFIE
Gustave Caillebotte
Fasane und Schnepfen auf einem Marmortisch, 1883
Faisans et bécasses sur une table de marbre
Öl auf Leinwand
52 x 82 cm
© Michele & Donald D’Amour, Museum of Fine Arts, Springfield, Massachusetts

GUSTAVE CAILLEBOTTE
EIN IMPRESSIONIST UND DIE FOTOGRAFIE

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet dem französischen Impressionisten Gustave Caillebotte vom 18. Oktober 2012 bis 20. Januar 2013 eine umfassende Werkschau mit rund 50 Gemälden und Zeichnungen. Die Ausstellung wird durch über 150 überragende fotografische Positionen des ausgehenden 19. sowie beginnenden 20. Jahrhunderts ergänzt und manifestiert so Caillebottes Vorreiterrolle in der Entstehung eines neuen Sehens.

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Während in Deutschland die Auseinandersetzung mit Caillebotte gerade erst ihren Anfang nimmt, hat dieser herausragende Künstler in Frankreich, Großbritannien und in den Vereinigten Staaten seinen gebührenden Platz an der Seite großer Impressionisten wie Auguste Renoir, Édouard Manet oder Edgar Degas bereits ein-genommen. Caillebottes OEuvre eröffnet neue, grundlegende und ergänzende Zugänge zur Malerei des Impressionismus: Seine radikalen, sehr modern und fotografisch anmutenden Darstellun-gen erschließen auf außergewöhnlich überzeugende Weise den engen Zusammenhang von Fotografie und Malerei. Viele Werke Caillebottes nehmen vor allem durch die besondere Perspektive ihrer Bildausschnitte, doch auch anhand von Themen wie Bewegung und Abstraktion einen fotografischen Blick vorweg, der sich in diesem Medium erst später herausbildet.

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Gustave Caillebotte (1848 in Paris –1894 in Gennevilliers) war zeitlebens eher als Mäzen, Sammler und Vorkämpfer der Impressionisten bekannt, obwohl er selbst über 500 Gemälde, Pas-telle und Zeichnungen schuf.

Wie viele seiner impressionistischen Freunde, die sich die 1839 eingeführte Fotografie für ihre Bildgestaltungen nutzbar machten, kannte auch Gustave Caillebotte dieses neue Medium und dessen vielfältige Möglichkeiten wie Stereo-, Moment- und Bewegungsaufnahmen. Mit beispiellosen Sturzperspektiven, radikalen Aufsichten, Verzerrungen, bruchstückhaften Ausschnitten und Unschärfen muten seine Gemälde tatsächlich wie der kühne Einsatz fotografischer Stilmittel an, die so in der zeitgenössischen Fotografie noch nicht umgesetzt wurden (bzw. noch nicht umgesetzt werden konnten). Caillebotte, der in seinem Werk zentral die Wahrnehmung des modernen Individuums thematisiert, greift damit seiner Zeit weit voraus, denn vergleichbare fotografische Ansätze finden sich in der Fotografie selbst erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Im Dialog mit ausgewählten Werken zeitgenössischer Fotografen wie Édouard Baldus, Charles Marville oder Eugène Atget und Beispielen der Neuen Fotografie der 1920er-Jahre von André Kertész, László Moholy-Nagy, Wols oder Alexander Rodtschenko erschließt sich in der Ausstellung auf verblüffende Weise der enge Zusammenhang zwischen dem Schaffen Caillebottes und der Herausbildung eines neuen Sehens. Gustave Caillebotte erweist sich so als revolutionäres Talent unter den Pionieren der ersten historischen Avantgarde.